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Der Blaue Engel - kein Zeichen für schadstofffreie Produkte Er wird seit 1978 an Produkte, die bestimmte Vergabegrundlagen erfüllen vergeben. Heute tragen rund 10.000 Produkte und Dienstleistungen in 80 verschiedenen Produktkategorien den Blauen Engel. Entsprechend der Produktentwicklung haben alle Vergabegrundlagen eine begrenzte Laufzeit, in der Regel sind es 3-4 Jahren, bei schnelleren Weiterentwicklung einiger Produkte werden auch kürzere Laufzeiten festgelegt. Am Markt kann es Produkte geben, die keinen Blauen Engel tragen, obwohl sie die Kriterien erfüllen, da er nur auf Antrag vergeben wird. Firma "Miele" etwa schätzt nach eigenen Angaben die Bedeutung des eigenen Markennamens höher ein als die eines Gütezeichens. Außerdem: Die Unternehmen müssen für das Zeichen eine Bearbeitungsgebühr, sowie ein Jahresentgelt zahlen. Das Jahresentgelt richtet sich nach dem Gesamtumsatz, den die Hersteller mit den zertifizierten Produkten gemacht haben. Lacke mit dem "Blauen Engel" Lacke mit dem "Umweltengel" sind ebenfalls synthetische Anstrichmittel. Sie haben ähnliche Inhaltsstoffe wie die konventionellen, synthetischen Produkte, aber die Mengenzusammensetzung ist geändert. Erdöl findet als Ausgangsstoff breiten Einsatz. Der Lösemittelgehalt ist bei Heimwerkerlacken auf 10% reduziert. Beispiele sind Acryllacke oder "Lacke auf Wasserbasis". Gesundheitsverträglichkeit Blauer Engel Lacke Bindemittel: Es sind die gleichen gesundheitlichen Beschwerden zu erwarten wie bei herkömmlichen, synthetischen Lacken, da die gleichen Chemikalien als Bindemittel Verwendung finden. Lösemittel: Es werden ähnliche Lösemittel aus der Erdölchemie eingesetzt wie bei den konventionellen Lacken. Allerdings besteht bei Blauer Engel Lacken ein Einsatzverbot sowohl für krebserzeugende, als auch für fruchtschädigende und erbgutschädigende Stoffe als Hauptlösemittel werden Glykole verwendet, wovon einige als problematisch zu bewerten sind. Beispielsweise schädigt Butylglykol das Nervensystem und das Knochenmark. ![]() Umweltzeichen Blauer Engel Diese Vergabekriterien muß ein Blauer Engel Lack erfühlen, um das Umweltzeichen tragen zu dürfen: 1) Lösemittelgehalt: max. 10% *** 2) Keine Inhaltsstoffe, die nach der Gefahrstoffverordnung eine Kennzeichnung erfordern, bzw. max. 50% der Menge, ab der die Kennzeichnungspflicht beginnt 3) Einsatzverbot für krebserzeugende, fruchtschädigende, erbgutverändernde und sonstige chronisch schädigende Stoffe 4) Keine bioziden Stoffe. Ausnahme: Topfkonservierer**: max. 0,5%; Minimierungsgebot 5) Formaldehyd: max. 10 mg/kg 6) Pigmente: nicht auf Basis von Blei, Chrom (VI) und anderen giftigen Metallen. Ausnahme: max. 0,1 Gewichtsprozent Blei als Trockenstoff 7) Gebrauchstauglichkeit entspricht konventionellen Produkten 8) Werbeaussagen: Begriffe wie Bio-, Öko- oder Natur- sind untersagt. Zusatzstoffe: Weichmacher: s. synthetische Lacke Trockenstoffe: Blei darf als Trockenstoff bis zu 0,1 Gewichtsprozent enthalten sein. Dieses Schwermetall reichert sich im Körper an und beeinträchtigt die Muskulatur und das Nervensystem. Farbmittel: Giftige Schwermetallpigmente zur Farbgebung sind nicht zugelassen. ______________ ** - Topfkonservierer: Pilz- und bakterienhemmende Stoffe sind in wasserverdünnbaren Lacken erforderlich, da die giftigen Lösemittel wegfallen bzw. nur in geringeren Mengen vorhanden sind. Ohne Konservierungsmittel würde der Lack bereits im Farbtopf von Schimmel befallen werden. Gemessen an der Gesamtrezeptur dürfen allerdings maximal 0,5% enthalten sein. Einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind gesundheitsgefährdend. So kann beispielsweise das bekannte, krebsverdächtige und allergieauslösende Wohngift Formaldehyd bis zu einer Höchstmenge von 10 mg pro kg vertreten sein. *** - Lösemittelgehalt der Wasserverdünnbaren Farben darf nicht mehr als 10 Prozent betragen. Wasser kann die Bestandteile aber nicht wirklich lösen. Diese Aufgabe kann nur von starken organischen Lösemitteln, wie zum Beispiel Butylglykol, übernommen werden. Oft wird ein Teil der Lösemittel als Lösehilfsstoffe oder Additive umbenannt, um ihre Lösemittelfunktion herunterzuspielen. Der Ersatz von Lösemittel macht zudem den Einsatz einer Vielzahl anderer chemischer Substanzen nötig. So ist es nicht selten, daß eine Rezeptur für einen wasserlöslichen Lack mehr als ein Dutzend verschiedenster Chemikalien enthält. Oberflächenaktive Stoffe, schaumhemmende Mittel, Neutralisationsmittel, Verlaufsmittel, Emulgatoren, Polyurethanverdicker und Verdickungsmittel sorgen für eine gleichbleibende Konsistenz des instablilen Wassergemischs. Diese Substanzen sind wiederum ein idealer Nährboden für Pilze und Bakterien. Damit die Farbe dennoch längere Zeit haltbar bleibt, müssen Konservierungsmittel zugesetzt werden. Konservierungsstoffe sind sowohl für die Umwelt als auch für die menschlichen Organismus nicht immer unbedenklich. So berichtete Öko-Test im Sonderheft Bauen, Wohnen, Renovieren 1995 über gesundheitliche Risiken. Maler, die viel mit wasserverdünnbaren Lackfarben arbeiteten, klagten über Kontaktekzeme, Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen, Magenprobleme sowie ein erhöhtes Bedürfnis zu urinieren. Bei Untersuchungen am Königlichen Technologie Institut in Stockholm wurde außerdem eine Beeinträchtigung der Lungenfunktionen beobachtet. |