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Infotmationen zu Baustoffen
Informationen zur sicheren Planung der Bauaufgaben

Anstriche mit Naturfarben

von Dipl.Ing. Andreas Laukart

Pigmente

(update 07.11.09)


1. Grundproblem schlechter Anstriche

Jeder hat schon mal draußen "alte" (in Wirklichkeit nur wenige Jahre oder gar Monaten jung), verwitterte, mit Blasen oder feinen Rissen versehenen Farben gesehen. Man kennt auch im Innenbereich das eine oder andere Problemchen der gestrichenen Oberflächen. Wie kommen diese zu Stande? Was kann man dagegen machen? Um das zu verstehen und um eine passende Lösung für jeweiligen Farbanstrich zu finden bedarf es ein wenig Hintergrundwissen wie die Farben "funktionieren".

Farbeschäden an der Wand
Reisen und Abplatzen einer Dispersionsfarbe an Fassade, Foto: A. Laukart

Farbeschäden an der Türzarge
Abpellen einer Dispersionsfarbe an Türzarge, Foto: A. Laukart


Warum halten heutige Farbanstriche nicht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte wie es die Farben im Mittelalter oder in der Antike taten, die zum Teil uns bis heute erhalten geblieben sind? Wandmalerei von Michelangelo und Rafael, ägyptische Pharaonengräber und griechische Vasenmalerei sind nur einige Beispiele von erstaunlicher Beständigkeit und unglaublicher Vielfalt der alten Farbmischungen. Seit wann ist Abblättern und Abpellen der Farbe am Nachbarhaus zu Normalität geworden? Liegt das etwa an der mieseren finanziellen Lage, am Mangel der Farbprodukte? Aber nein – das Haus nebenan wird vom soliden Herren bewohnt und alle paar Jahre neu gestrichen, von Produktangebot der Baumärkte wird dem Hausherren schwindelig, so ist er froh, dass er die Auswahl seiner Frau überlassen kann. Hmm..., wo liegt dann der Hund begraben?

Natürlich ist die vermeintlich "billigere" Farbe an sich nicht immer der alleinige Grund des Übels. Und die Auswahl der "super-universal-auf-alles-und-immer-streichbar-und-sofort-trockenden-geruchlosen" Farbe heißt noch lange nicht, dass diese den gewünschten Erfolg garantiert. Das gilt auch für Naturfarbe – sie ist kein Wundermittel und man braucht schon Kenntnisse und Können um damit zum besten Ergebnis zu kommen.
Die Grundkenntnisse der Inhaltstoffe, sprich das Wissen über die Abhängigkeit "Ursache <=> Auswirkung" für einzelne Bestandteile der Farbe auf ihr Gesamtverhalten, ist die Grundvoraussetzung zu erfolgreichen Anwendung und später erfreuenden Gebrauchs. Und das gilt übrigens nicht nur für die Farben, sondern für alle Baustoffe.


2. Warum Naturfarben?

Natürliche Farben sind weniger bequem in der Verarbeitung, bringen aber dank ihren natürlichen Eigenschaften1) enorme Vorteile gegenüber den synthetisch hergestellten Farben auf petrochemischer Basis:

vorteil1   wesentlich längere Beständigkeit

vorteil2   leicht in nachhaltiger Pflege und Instandsetzung

vorteil3   gute ökologische Verträglichkeit (Umweltverträglichkeit)

vorteil4   wesentlich bessere Feuchteregulierung
    (Unterstützung des klimatischen Gleichgewichts im Wohnraum + Schutz des Gebäudes)

vorteil5   unbedenklich für meisten Allergiker

Wenn man auch anschließenden Pflegeaufwand der gestrichenen Flächen über längere Zeit betrachtet, so stellt man schnell fest, daß die Verwendung der Naturfarben außerdem noch wirtschaftlich ist. Naturfarben haben sich über einen langen Zeitraum bewährt, sie sind gesund, lassen uns besser atmen und schonen die Bausubstanz.


3. Sind Naturfarben teuer?

Grundsätzlich nein, da die meisten Farben aus einfachen Bestandteilen bestehen, die in der Natur reichlich vorhanden sind.
Wenn einer von "zu teuer" oder "unwirtschaftlich" spricht, so entlarvt er sich schnell als jemand, der einfach keine nennenswerte Erfahrung im Umgang mit natürlichen Farben vorweisen kann. Klar gibt es besonders seltene und dementsprechend teuere Pigmente oder Bindemittel, die für speziell geforderte Farbtöne und Eigenschaften notwendig sind, sie sind jedoch selten für Normalfall bestimmt.

Wenn man die richtige Wahl der Farbe trifft und die nötige handwerklichte Verarbeitung garantiert, so dienen diese viel länger und sind im Endeffekt günstiger als die auf Kunststoff basierende Farben. Denn neben dem Literpreis ist die Dauerhaftigkeit ein wichtiges Kriterium für die Wirtschaftlichkeit eines Anstriches.




4. Welche Arten der Naturfarben gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Farbrezepten und Techniken, die auf natürlichen Farbstoffen und Bindemitteln basieren und sich seit vielen Jahrtausenden bewährt haben. Einige davon werden hier erwähnt.

Kalkfarbe Kalkfarbe, Sumpfkalkfarbe

Die Herstellung von Sumpfkalk
Herstellung des Brandkalks war schon den antiken Baumeistern bekannt und die ältesten Kalköfen sollen schon vor 4500 Jahren aus Mesopotamien stammen.
Aus Kalkgestein (CaCO3) wird durch Zufuhr von thermischer Energie Brandkalk (CaO) hergestellt (gas-, kohle- oder holzgebrannt) und anschließend feinst vermahlen. Der holzgebrannte Kalk gilt als der beste, da er beim brennen keine Verbindung mit Schwefelsäure angeht und somit gipsfrei bleibt. Beim kohlengebrannten Kalk ist dies problematischer. Gasgebrannte Kalkarten zählen zu den saubereren als die kohlengebrannte. Die Reinheit des gasgebrannten Kalks ist jedoch stark von der Qualität (Verunreinigung durch Stickstoff, Schwefel u.a.) des verwendeten Brenngases abhängig.

CaCO3 = CaO + CO2

Das heißt bei der Zersetzungsreaktion von CaCO3 wird bei hohen Temperaturen 900° bis 1300° die Kohlensäure abgespalten, es entsteht Calciumoxid.
Anschließend wird der gebrannte Kalk CaO zu Kalkhydrat gelöscht Ca(OH)2 (= "gelöschter Kalk").

CaO + H2O = Ca(OH)2

Heute unterscheidet man zwischen "trockener Löschung" und dem "Naßlöschen". Das Ergebnis beider Verfahren ist zwar chemisch gleich (Ca(OH)2), unterscheidet sich jedoch in physikalischer Form der Kristallbildung (Prismen- und Plättchenform), die ihrerseits qualitative Unterschiede ausmachen2).
Bei "trockener Löschung" wird dem gebrannten Kalk in so genannten Löschtrommeln industriell Wasserdampf hinzugefügt und zu Weißkalkhydrat Ca(OH)2 in Pulverform umgewandelt. Bei traditionellem Naßlöschverfahren wird durch Beigabe von Wasserüberschuß die Kalkmilch erzeugt, welche anschließend in Kalkgruben eingedickt (Kalkteig) und eingesumpft wird. Je länger die eingesumpfte Lagerung3) und reiner der Ausgangsstoff, desto hochwertiger und ergiebiger4) ist der Sumpfkalk.


Anwendungsbereiche:
Neben den klassischen Anwendungen für baustellengemischte Putz- und Mauermörtel wird Sumpfkalk auch zur Erzeugung von Kalkfarben und Kalktünchen verwendet. Damit kann man die Wände und Decken sowohl im Innen- als auch im Außenbereich kalken.

Auch der Einsatz von Kalkglätte mit (oder ohne) Beigabe "kalkechter" Pigmente kann für die Farbgestaltung eingesetzt werden ("al Fresco"-Technik – "naß-in-naß" mit frischem Kalk). Kalkanstriche sind atmungsaktiv, haben eine Filterwirkung auf Raumluft und lassen einen freien Wasserdampfaustausch zwischen Luft und Untergrund zu und können als Desinfektionsmittel eingesetzt werden.

Der große Vorteil der Kalkfarben im Außenbereich liegt in seiner neutralisierender Wirkung gegenüber der Säurebelastungen aus der Atmosphäre und von den Niederschlägen. Die säurehaltigen Partikelchen werden schon an der Oberfläche des Kalkanstrichs neutralisiert, bevor deren zerstörende Wirkung sich im Putz oder Mauerwerk zeigt. So schützt der Kalkanstrich die Wandoberfläche vor aggressiven Einflüssen und spielt die Rolle des wachsamen Wächters für das gesamte Bauwerk. Das Kreiden von zuerst gesundem Kalkanstrich weist auf den erfolgreichen Kampf gegen Säureangriffe und signalisiert rechtzeitig die Gefahr. Unter den Fachleuten wird dieses Phänomen als "Opferschicht" bezeichnet. Eine übliche Kunststoffdispersionsfarbe oder -silikatfarbe tut das nicht, so wird die Versalzung und Verkieselung oft viel zu spät erkannt, wenn die zerstörende Wirkung auf die Bausubstanz fortgeschritten ist. Und das kostet ... Kalkanstriche bringen auch nach mehrmaligen Anstrichen keine Oberflächenspannungen und Versiegelungen mit sich. Kalkanstriche laden sich statisch nicht auf, dadurch bleibt die Oberfläche wesentlich länger sauber.

So wird der Wunsch von Bauherren und Hauseigentümern immer größer, die baubiologisch und bauphysikalisch "richtigen" Produkte zu verwenden. KALKPRODUKTE stehen besonders für ein gesundes Raumklima und tragen zum Erhalt der Bausubstanz, besonders der Farbuntergründe (Putz) im Innen- sowie im Außenbereich, bei.

Sumpfkalkanstriche lassen Wasser ungehindert passieren und das Mauerwerk kann schneller austrocknen. Von vielen Denkmalämtern wird Sumpfkalk bei der Sanierung historischer Bauwerke daher zu Recht vorgeschrieben. Bei der traditionellen Bauweise im Neubau, bei der Renovierung und Sanierung des Altbaubestandes erweist sich gerade der Sumpfkalk als äußerst langlebiger Baustoff und dient der wesentlichen Verbesserung der Wohnqualität und des Wohlempfinden des Nutzers.

Weitere wichtige Kriterien für die Anwendung von Sumpfkalk:
Sumpfkalkanstriche sind desinfizierend, resistent gegen Feuchte, feuchtigkeitsregulierend, dampfdiffusionsoffen (atmungsaktiv) und schimmelwidrig. Sumpfkalkanstrichen sind daher auch besonders geeignet, Schimmelbildung enorm zu vermindern oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Ebenfalls wird Sumpfkalk (Sumpfkalk-Tünche) im landwirtschaftlichen Bereich zur Desinfektion der Ställe verwendet.
Sumpfkalk als Bindemittel und Farbe enthält keinerlei Schadstoffe. Sie lassen sich lückenlos wieder in den Natürlichen Kreislauf integrieren. Die Reste sind kompostierbar. Sumpfkalk ist baubiologisch absolut unbedenklich und daher unbedingt zu empfehlen.
Bewährte historische Baureparatur und Pflegezyklen mit richtig angewandten Kalkmaterialien erweisen sich nachhaltig auch als kostengünstigere.


Anwendung:

Am besten sind Kalkanstriche auf Luftkalkputz zu empfehlen, da sie das Abführen des Wasserdampfs und den Zugang des Kohlendioxides gewährleisten, was den Altputz gesund hält und bei frischem Kalkmörtel für gute Karbonatisierung (Erhärtung an der Luft) sorgt. Auch der Einsatz auf gebranntem Tonziegel und Naturstein ist unbedenklich. Sie gehen mit dem Untergrund eine homogene Verbindung ein, versteinern (karbonatisieren) und werden dadurch wasserunlöslich.
Nicht geeignet zum Kalken sind organische, nicht saugende Untergründe wie Leimanstriche, Ölanstriche oder Dispersionsilikatanstriche. Einen Probeanstrich vorzunehmen ist immer empfehlenswert.
Der Sumpfkalk muß feucht (mit Wasserschicht bedeckt) und frostfrei gelagert werden. So ist er fast unbegrenzt haltbar.
Für die, die etwas mehr zum Thema lesen möchten, kann ich den Text "Ausführung von Kalkfarbenanstrichen" von Gerwin Stein empfehlen.


Ein paar Tipps zu dem Umgang mit der Kalkfarbe:

Tipp 1: Alte Dispersionsfarbe (-en) vor dem Neustreichen mit Kalkfarbe unbedingt abnehmen, denn sie verhindert, daß der Kalk sich mit Wandoberfläche fest verbindet. Der Einsatz von lauwarmen Wasser kann das mechanische abschrubben und abkratzen erleichtern, nur genügend Zeit für durchnässen (eventuell in mehreren Durchgängen) der alten Farbschichten lassen! Mit geringer Zugabe von Seife kann man das Eindringen des Wassers in die alte Farbe etwas erleichtern. Bei Farben mit besonders dichten Oberflächen (mit Kunstoffen und Harzen belastete Produkte) ist der Einsatz von geeigneten Abbeizmitteln oder rein mechanische Abnahme (abschlagen, abschleifen) notwendig.

Tipp 2: So kann man die Haftung des Untergrundes prüfen, um seine Tragfähigkeit richtig einzuschätzen, denn er "trägt" später die neue Farbschicht. An der verdeckten oder später auszubessernden Stelle schneidet man den Altanstrich rautenförmig an.
Rautenschnitt-Altanstrich-Test
mangelhafte Haftung des Farbuntergrundes, Foto: A. Laukart

Die Farbe soll nicht abplatzen und die Schnitte gut ertragen. Je breiter die Abplatzung vom Schnitt weg ist, desto schlechter trägt der Altanstrich.

Tipp 3: Vornässen ist für Abbinden (=erhärten) des Kalks äußerst wichtig! Wenn der Kalk beim Abbinden nicht genügend Wasser bekommt, "verbrennt" er – die Kalkfarbe kreidet leicht ab. Bei zu schneller Oberflächenverdunstung mit Wasser nachnässen (am besten mit Spritzpumpe und feiner Düse). Den Durchzug und Lüften 1 Tag lang vermeiden, die Saunaklima ist ja nur kurz da, wenn die Farbe vollständig abgebunden ist, kann man die ganze Feuchte schnell wieder weglüften.

Tipp 4: "Gefährlich zu kalken sind alte Wände, deren Löcher mit Gips ausgekittet wurden. Eine darübergelegte Kalktünche wirkt günstiger, vermag aber die Gefahr des Treibens und damit des Abblätterns nicht zu bannen." aus Max Dörner "Malmaterial und seine Verwendung im Bilde", 6.Aufl., S. 245
Also allein aus diesem Grund die Schnellspachtelei mit Gipsputz möglichst vermeiden (auch wegen geringeren Festigkeit und Rissbildung). Wenn solche Stellen entdeckt werden, sollte man sich die Zeit nehmen und diese durch Kalkputz oder Kalkglätte (für kleinere Schadstellen) ersetzen.

Tipp 5: Vor dem Anstrich mit der Kalkfarbe immer den Untergrund gut vornässen, wenn es nötig ist in mehreren Durchgängen (mit Wasser oder Kalktünche), sonst brennt der Kalk auf und kreidet ab mangels fester Verbindung. Und nicht gleich auf nasse Wand kalken, kurz einziehen lassen, sonst läuft die Kalkfarbe runter!

Tipp 6: Für hochwertigen Kalkanstrich sollten mehrere dünne Schichten, naß-in-naß aufgetragen werden – er ist daher arbeitsintensiv, aber wenn man eine haftende und feste Anstrichoberfläche erzielen möchte ist es notwendig! Ohne Fleiß – eben kein Preis.

Tipp 7: Augen und Haut von direktem Kontakt schützen (Handschuhe und Schutzbrille), Ätzungsgefahr! Bei Haut- und Augenkontakt gründlich mit fließendem Wasser auswaschen, Arzt kontaktieren.

Tipp 8: Flächen die nicht bearbeitet werden, durch Abdecken und/oder Abkleben schützen. Wenn dennoch unerwünschte Spritzer entstehen – sofort mit Wasser entfernen.

Tipp 9: Direkt nach der Verarbeitung ist das Werkzeug einfach mit Wasser reinigen.


Kaseinfarbe Kalkkaseinfarben

Kaseinfarben oder Kalkkaseinfarben sind Farben, die Kalk mit Zugabe von Kasein (Casein, vom lateinischen caseus = Käse) als Bindemittel haben. Kasein ist ein komplexes Strukturprotein (Eiweiß). Es ist die wichtigste Eiweißart unter allen Eiweißen in der Milch (80 % des Gesamteiweißgehaltes und ca. 3 % der Milch). Gutes Kasein wird aus Magerquark gewonnen.

Schon vor Jahrtausenden wußten die Menschen, dass Kalk mit Quark gemischt ein ausgezeichnetes Bindemittel für Farben und Leime ist. Diese Maltechnik kann man noch heute an manchen Bauten (meist Kirchen, Klöster und Denkmäler, die in alter Tradition gepflegt werden) bewundern.

Kasein an sich ist wasserunlöslich und hat noch keine bindende Eigenschaft. Erst durch die Zugabe von Aufschlussmittel (Kalkhydrat = gelöschter Kalk) wird es aufgeschlossen, d.h. löslich gemacht. Dabei entsteht sehr beständiges Bindemittel – Kalkkasein.

Kaseinfarbe wird wasserfest, wenn gelöschter Kalk (Ca(OH)2) bzw. Ammoniak (flüchtig) als Aufschlussmittel verwendet werden. So ist diese Farbe gut für den Außenbereich geeignet. Auch für Freskomalerei kann die geringe Zugabe (unter 5% zu Kalkanteil) von Kasein nützlich sein.

Der Kalk in Kaseinfarbe hat nicht nur eine zusätzliche Bindewirkung, sondern auch eine antibakterielle alkalische Wirkung. Einsatz üblicher Konservierungsmitteln ist damit überflüssig, da Kalk eine bessere Schutzwirkung hat und zu dem noch wasserfest ist (im Gegenteil zu gesundheitsbedenklichem Borax).

Max Dörner schreibt in seinem Buch „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde“, dass es kein besseres Kasein auf die Mauer gäbe, als Topfenkasein mit 2-3 Teilen Wasser verdünnt. Man sollte auch keine sonstigen Zugaben wie Öle oder Harze machen! So ein Kasein wäre wasser- und wetterfest.

Vorsicht beim Verdünnen des Kaseins, denn wenig verdünnter Kasein kann zu stark sein und zu Absprengungen des Untergrundes führen. Bei bedenklichen Untergründen das Kasein immer auf Konsistenz prüfen.

Bei der Auswahl der Pigmente ist auf „Kalkechtheit“ zu achten! Sie dürfen sich ja nicht verfärben oder zu Ausblühungen führen.

Die Kaseinfarbe hat einen spezifischen Geruch, der jedoch schon wenige Tage nach dem Streichen sich verflüchtigt. Die Kaseinfarbe sollte immer frisch eingerührt und innerhalb 2-3 Tagen (bei Lagerung kühl aufbewahren!) verbraucht werden. Reste der Kaseinfarbe sind kompostierbar.


Silikatfarbe Silicatfarben, Kaliwasserglasfarben, Mineralfarben

haben Wasserglas als Bindemittel. Wasserglas bezeichnet man Silicate von Natrium und Kalium (Na2SiO3 – Natronwasserglas, K2SiO3 – Kaliwasserglas). Sie reagieren an der Luft alkalisch und erstarren allmählich durch Verkieselung zu einer glasigen Masse5).

Wasserglasfarben werden seit dem 18. Jahrhundert in der Farbenherstellung mit Verwendung des Kaliwasserglases (K2SiO3) eingesetzt.

Achtung:
Die Farbenindustrie stellt Silikatfarben her, die als Mineralfarben deklariert werden. Sie haben zum Teil nichts mit Wasserglasfarben zu tun, denn sie enthalten Zusatzstoffe wie z.B. Kunstzoffdispersionen, "Weichmacher", usw.

Wasserglasfarben können nach 20 Jahren noch sehr gut aussehen. Sie haben gute Witterungs- und UV-Lichtbeständigkeit. Die Unbrennbarkeit der Wasserglasfarben ist aus brandschutztechnischer Sicht interessant und kann als Flammschutzmittel eingesetzt werden.

Untergrund für Silikatfarbe – frischer, sauberer Putz, Ziegel- oder Steinwände, aber keine Verwendung auf Holz! Farbe ist sehr hart und fest, was zu Rissbildung beim Arbeiten des Holzes führen kann. Der Untergrund sollte leicht angefeuchtet und zunächst verdünnt mit Wasser im Verhältnis 1zu1 vorgestrichen werden. Nachdem diese Grundierung trocken ist, wird die Silikatfarbe als dünne Schicht aufgetragen.

Aber Vorsicht es gibt auch Nachteile!
- Pottaschenabspaltung (K2CO3) bei Abbindeprozess (Reaktion mit CO2 der Luft) führt zu verstärkter Versalzung des Untergrundes, was bei übermäßiger Feuchte automatisch zu allerlei Schäden führt.
- hohe Härte der Wasserglasfarben kann weiche Untergründe mit der Zeit (nach fortgeschrittener Verkieselung was bis zu 10-20 Jahren dauern kann) zerreisen.

"Kaliwasserglas ist härter als unbeschädigter Kalk [...], deshalb besteht an Fassaden die Gefahr von Scherspannungen durch thermische Dilatation. Auch wenn ein erster Anstrich aus Kaliwasserglas dünn auf den historischen Verputz aufgebracht wird, steigt bei einem zweiten Anstrich die Gefahr der Krustenbildung und ihre negativen Folgen.

Die Vorfixierung mit Kaliwasserglas führt zu einer zusätzlichen Verdichtung des Verputzes im oberflächennahen Bereich." Die Reparaturmöglichkeit von alten Silikatanstrichen ist "stark eingeschränkt, langfristig nahezu unmöglich", und es werden durch Kaliwasserglas "schädliche lösliche Salze [...] eingebracht beziehungsweise erzeugt"6)

Fassadenschäden Silicatfarbe 1

Fassadenschäden Silicatfarbe 2
Abplatzungen der Silikatfarbe an der Fassade, Fotos: K. Fischer


5. Wo gibt es die Naturfarben zu kaufen?

Langsam wendet sich die Verkaufspolitik der Baumärkte und es werden zum Teil auch reine Naturfarben angeboten. Doch immer noch ist Internet eine bessere alternative in Auswahl und Preisbildung verschiedener Naturprodukte.

Farbschaden_Abblättern

selbst dem Fachhändler geht die Farbe ab..., Foto: A. Laukart


Nehmen Sie sich Zeit und Informieren Sie sich über mehrere Angebote der Naturproduktanbieter oder lassen Sie sich von erfahrenem Fachmann beraten. Es lohnt sich.




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Textverweise:

1)
So sind z.B. die Moleküle des Leinöls - natürlichen Bindemittels der Ölfarbe - viel feiner (nach dem Trocknen im Schnitt fast 50 mal kleiner als die der synthetischer Harzmoleküle!). Dementsprechend garantieren die Leinölanstriche bessere Elastizität und zugleich stärkere Haftung (sie "greifen" besser in die Poren der Anstrichflächen hinein). Farben mit Kunststoffbeigaben bilden "dank" ihrer spezifischen Vernetzungsstruktur (Polymerketten oder Kunststoffpolymere) wesentlich dichtere Schichten als reine Ölfarben, und genau das macht sie ja so rissanfällig bei der Wasserdampf-, Kondensat- und Feuchtebelastung. Das gleiche gilt auch für heiß umworbene "dampfdiffusionsoffene" Anstriche: ihre Dampfoffenheit bezieht sich nur auf frische Anstriche, die jedoch mit der längeren Durchtrocknung Ihre Oberfläche dicht versiegeln.

2) Kalkkristalle können sich aus chemischer Sicht in unterschiedlichen Formen bilden.
Es werden folgende Kristallmodifikationen unterschieden:

Calcit Aragonit Vaterit
Somatoide/
Skalenoeder
Rhomboeder Prismen Plättchen Nadeln
(Bündel)
Sphärolite/
Kugeln


3) die Lagerung von Sumpfkalk dauert von wenigen Monaten bis mehrere Jahre. Für die Restaurierung von Wandmalerei gelten drei Jahre als anerkanntes Gütezeichen. Bereits Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter (23 – 79 n.Chr.) und Verfasser einer "Naturalis historia", beschreibt, dass kein Unternehmer Kalk verwenden durfte, der nicht drei Jahre lang in der Grube eingesumpft gelegen hatte.
Allgemein kann man die Einsumpfzeit nach Einsatz so festlegen:
für Mörtel- und Putzherstellung: Einsumpfzeit ab 3 Monaten;
für Schlämmen, Kalkanstrich und Kalkfarbe: Einsumpfzeit 1–3 Jahre;
für hochwertige Freskomalerei: Einsumpfzeit ca. 6 Jahre und mehr.

4) es bilden sich dabei große "Kristallplättchen" mit hoher Bindekraft und Lichtreflektion (Deckkraft der Kalkfarbe).

5) deshalb ist die Aussage der Hersteller von Angeblicher Diffusionsfähigkeit nur ein Werbestrategischer Trick, denn nach vollständiger Verkieselung der Farbkruste kann keine Rede mehr von Porenoffenheit oder Dampfdiffusionsfähigkeit sein.

6) Zitat von Prof. I. Hammer aus "Probleme der Erhaltung verputzter historischer Architektur"


Ist "blauer Engel" wirklich schadstoffrei?
Schwermetalle in Farben und ihre Giftigkeit
arwela