Geb. 2. Mai 1729 in Stettin
Gest. 17. November 1796 in Petersburg (Beisetzung in der St. Peter und Paul Kathedrale, St. Petersburg)
Geboren als Prinzessin
Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst.
Tochter des preußischen Gouverneurs von Stettin
Fürst Christian August von Zerbst-Dornburg und der
geb. Prinzessin von Holstein-Gottorp (Haus Oldenburg) regierenden
Fürstin von Anhalt-Zerbst Johanna Elisabeth.
Sie ist
mit Ihrer Mutter mit 14 Jahren nach Rußland gegangen, um den
Thronnachfolger Peter III zu heiraten. Im Jahre 1745 trat sie zur
griechisch-russischen Kirche über (getauft mit dem russischen Namen Katharina Alexejewna) und heiratet Peter III. Nach der Entthronung ihres (eine Woche nach seiner Krönung ermordeten) Gemahls wird sie 1762 zu Zarin Katharina II.
Katharina II. gilt als außergewöhnlich kluge und gebildete Frau, sie liest Montesquieu, Voltaire, Diderot und Schriften anderer französischen Enzyklopädisten, deren Ideen in ihre späteren Reformpläne einfließen. Sie sah sich in der Tradition Peters I. und leitete als Vertreterin des aufgeklärten Absolutismus Reformen ein, die in ihrer Tragweite allerdings bescheiden blieben. Neben Maßnahmen zur Modernisierung des Staatsapparates leitete Katharina II. die planmäßige Besiedlung noch unerschlossener ländlicher Gebiete im Süden des Reiches ein. Sie siedelt deutsche Bauern an der Wolga und in Südrussland an.
Durch zwei Kriege gegen die Türkei gewann Rußland unter Katharina in den Friedensschlüssen von Kütschük-Kainardschi (1774) und Jassy (1792) sowie durch die gewaltsame Aneignung der Krim (1783) die Küste des Schwarzen Meers bis zum Dnjestr. Durch die Teilungen Polens (1772, 1793 u. 1795) wurde es Nachbar Preußens und Österreichs.
In Zerbst galt die russische Monarchin als gutmütige Beschützerin ihrer fern gebliebenen Heimat. In Hungerszeiten schickt sie Korn und sichert finanzielle Unterstützung zu. Nach Bekanntwerden von Katharinas Ableben werden in der Heimat vier Wochen lang täglich von 11 - 12 Uhr die Glocken geläutet.
Als die Zarin Katharina II. 1796 nach 34 Jahren Regentschaft stirbt, hat sie verwirklicht, was Peter der Große einst begonnen hatte – Rußland ist endgütig zu einer Großmacht aufgestiegen, mit der Europa rechnen muss.
Ansiedlungspolitik von Katharina II.
In ihrer Ansiedlungspolitik ließ sich Katharina II. ebenfalls
von der in Westeuropa betriebenen Peuplierungspolitik leiten, deren
Grundzüge auch in Vorschlägen von Lomonossow
enthalten waren. Ein erster Schritt zur Anwerbung von Kolonisten war
das Manifest vom 14. Oktober 1762, in dem der Senat
ausdrücklich die Erlaubnis erhielt, Ausländern die
Ansiedlung im Land zu gestatten.
Da die Veröffentlichung dieses ersten Manifestes wegen seines
nur summarischen Inhalts nicht die erhoffte Resonanz im Ausland hatte,
unterschrieb Katharina II. das Manifest vom 22. Juli 1763, mit
dem neue Siedler aus dem Ausland gewonnen werden sollten, für
die weitgehende Privilegien in Aussicht gestellt wurden.
Die Peuplierungspolitik
"Menschen halte ich für den
größten Reichtum." Dieser Ausspruch des preußischen Königs Friedrich
Wilhelm I. beschreibt das Ziel der Peuplierungspolitik. Die Macht des
Staates sollte vor allem durch die Steigerung der
Bevölkerungszahl und die Erweiterung des Territoriums
erhöht werden.
Diese Politik setzten nach Friedrich Wilhelm I. in Preußen,
dessen Sohn Friedrich II. (Schlesien, Brandenburg,
Westpreußen) und für die Habsburger Monarchie Maria
Theresia und deren Nachfolger Joseph II. (Donauschwaben auf dem Balkan)
in die Tat um. In Russland tat dies Katharina II.
Der Hauptvertreter dieser Theorie, Johann Heinrich Gottlob Justi
(1720-1771), vertrat die These, dass der Staat dafür zu sorgen
habe, "daß zuförderst die, zu der Republik
gehörigen, Länder recht cultiviret und angebauet
werden müssen." Die Nutzung der "unbeweglichen
Güther" vergrößere den Nutzen des Staates,
dessen "Glückseligkeit" auf seiner Macht und Stärke
beruhe. Wesentlichste Voraussetzung dafür war nach Justi eine
ausreichend hohe Bevölkerungszahl.
Ähnlich wie Justi sah auch Joseph von Sonnenfels in der
Vermehrung der Bevölkerung ein Hauptziel staatlichen Handelns.
Denn durch eine wachsende Einwohnerzahl würden auch die Zahl
der Steuerpflichtigen und damit die Staatseinnahmen steigen.
Außerdem würde neben dem zu erwartenden
wirtschaftlichen Wachstum auch die innere und äußere
Sicherheit vergrößert.
Sonnenfels forderte, dass jede staatliche Maßnahme
dahingehend zu überprüfen sei, ob sie einen Beitrag
zum Bevölkerungswachstum leisten könne.
Eine deutliche Beschleunigung des Wachstums der Einwohnerzahl sollte
durch die Aufnahme von Ausländern erzielt werden. Denn diese
brächten nicht nur ihr Vermögen mit, sondern
würden auch den gesamten Wirtschaftskreislauf anregen.
Als wesentliche Voraussetzung für die Einwanderung bezeichnete
Sonnenfels die Gewährung der persönlichen Freiheit
durch den Staat, die Förderung von Handel und Gewerbe, die
befristete Befreiung von Abgaben und die finanzielle
Unterstützung der sich niederlassenden Ausländer
durch die Bereitstellung von Baumaterial, Gerätschaften und
Krediten. Solche Gesichtspunkte findet man im russischen Manifest vom 22. Juli
1763.