WAS IST ARCHITEKTUR?Die Bezeichnung Architektur (lat. architetura) umfaßte nach Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, geb. etwa 84 v.Chr.) die Baukunst und die Technik, also die Kunst des Baumeisters und des Ingenieurs. Doch Architektur im baulichen Sinne ist sicherlich noch viel mehr als der vor 2000 Jahre definierte Begriff. Was ist mit noch viel älteren Werken des Menschen, als es noch keine Baumeister gab? Der Mensch eines uralten Stammes aus Afrika, im Eis lebender Inuit, der Höhlenmensch, bei Hochkulturen aus Nordamerika und Ägypten müssen wir uns wohl nicht streiten. Sie alle haben ihre eigene Architektur entwickelt und für sich optimal zu nutzen gewußt. Jeder Mensch war (ist und bleibt) ein Baumeister. Der Eine mehr, der Andere weniger – es gibt ja noch Staubsauger-Vertreter ;-). Unter Architektur könnte man alle von Menschen errichteten und von ihm genutzten oder ihm anderweitig dienenden Anlagen (wie z.B. Wehranlagen, Kultstätten u.a.) verstehen. Und wieso eigentlich nur des Menschen? Ist das Nest eines Storchs, unterirdische Höhlen eines Feldhasen, der Bau einer Ameisenkolonie u.s.w. keine Architektur? Doch, irgendwie schon. Und die Angelegte Gärten, Deiche, Parks und Sportplätze… das ist auch alles Architektur – die Landschaftsarchitektur. Eine schicke Designervase, ein sündhaft teueres Sofa, Gardinen aus passend ausgesuchtem Stoff oder das "Billy"-Regal von IKEA… und das ist Architektur – die Innenarchitektur. Und die globale Entwicklung der Städte gehört auch zur Architektur, nämlich dem Teilbereich Städtebau. Architektur ist also viel mehr als das, was wir uns im ersten Augenblick darunter vorstellen. Wie soll die Architektur von heute sein?Sie soll Nutzen bringen (nicht immer nur ökonomischen, sondern auch ideellen, geistlichen Nutzen), ein bestimmtes Gefühl vermitteln und möglichst viel Freude machen.Die zeitgenössische Architektur sollte man mit der historischen und altbewährter vereinen können, und das auf eine besonnene, sorgfältige Art tun – ohne unnötige „Erneuerung“ und „Modernisierung“, aber auch nicht „alles um jeden Preis retten“ wollen und aus übertriebener Ehrfurcht vor dem Alten keinen Platz für das Neue lassen. Hier eine Balance zu finden ist schwierig und verantwortungsvoll genug, um auf Kompetenz eines Architekten zurückzugreifen. Denn nichts kann schlimmer sein, als keine Historie für Nachkommen erhalten zu können oder die Leere und das Hässliche aus der Gegenwart weiter zu geben. Andreas Laukart, Januar 2006
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